Neonics kommen durch die Hintertüre

Per Allgemeinverfügung lässt das Bundesamt für Landwirtschaft das hochgefährliche Neonicotinoid Acetamiprid zeitlich begrenzt für den Obstbau zu. Das ist ein Insektizid, dessen grosses Schadpotenzial bekannt ist.
Mai 8, 2020
Fausta Borsani

Neonicotinoide wirken sowohl wenn das Insekt mit ihnen in Berührung kommt, wie auch wenn sie von Insekten gefressen werden. Sie werden über die Wurzeln aufgenommen und in die Blätter transportiert. Behandelte Pflanzen töten dadurch Insekten, z.B. Bienen über längere Zeit ab. Bei Dauerkulturen wie Wein und Kirschen sind eingesetzte Neonicotinoide etwa ein halbes Jahr wirksam. Nur wenige Körner Pollen oder Saft von einer behandelten Pflanze reichen, um eine Biene zu töten.

Die Landwirtschaft will seit Jahren endlich davon wegkommen – auch weil diesen Giften das Bienen- und Insektensterben mitangelastet wird. Nun erlässt das Bundesamt für Landwirtschaft eine Notzulassung des Wirkstoffs Acetamiprid im Obstbau, bei Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen, Pfirsich, Aprikosen und Reben, weil sie von der Kirschessigfliege und vom sogenannten Stinkkäfer bedroht seien. 

Bemerkenswert ist, dass die staatliche Beratung vom Strickhof die Bauern anschreibt und ihnen die Anwendung des Insektizids mittels Schreckensbilder nahelegt. Das wird in den nächsten Wochen wieder eine Welle von vorsorglichen Anwendungen auslösen. Und: Niemand kontrolliert die in der Sonderzulassung formulierten Bedingungen. Der Verein «ohneGift» rät den ProduzentInnen aus ökologischen Gründen dringend von der Anwendung ab. Ebenso sollten so behandelte Früchte nicht gekauft und konsumiert werden.

Nur wenige Körner Pollen oder Saft von einer behandelten Pflanze reichen, um eine Biene zu töten. Bild: Pixabay