Trifluorazetat: des Bundesrats beunruhigende Antwort

Nach einer Untersuchung des Vereins ohneGift findet sich Trifluorazetat (TFA) weit verbreitet in Schweizer Gewässern. Diese «ewige Chemikalie» gelangt nachweislich auch in unser Trinkwasser. Die Haltung des Bundesrates dazu ist höchstbedenklich.
Im Murtensee fand der Verein ohneGift 0.9 Mikrogramm TFA pro Liter. Bild: Pixabay
Im Murtensee fand der Verein ohneGift 0.9 Mikrogramm TFA pro Liter. Bild: Pixabay
September 17, 2021

Fausta Borsani

Mit einer Interpellation an den Bundesrat verlangte Frau Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel Auskunft über den Umgang mit sogenannten «Forever Chemicals» und namentlich Trifluorazetat (TFA) [1]. Der Bundesrat gab zur Antwort, dass:
–    TFA aus verschiedenen Quellen stammt (Landwirtschaft, Kältemittel in Fahrzeugklimaanlagen, Medikamente, Schaumstoffe etc.),
–   er über die relative Bedeutung der einzelnen Quellen nichts weiss,
–   verschiedenste Pflanzenschutzmittel 45 Metaboliten bilden, die weiter zu TFA abgebaut werden können,
–   TFA aus Sicht des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gestützt auf chronischen Belastungstests bei Ratten ein toxikologisch nicht-relevanter Abbauprodukt ist,
–    das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) im Zulassungsprozess für Pflanzenschutzmittel einen regulatorischen Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter im Grundwasser anwendet,
–   das Vorsorgeprinzip damit eingehalten wäre.

Eine kurzsichtige Antwort

Das Risiko der Anreicherung von TFA in der Umwelt findet in der Antwort des Bundesrats keinerlei Beachtung. Chemische Stoffe, die TFA enthalten, werden erst seit etwa 30 Jahren in grossen Mengen die Umwelt ausgebracht. Trotzdem erreichen die Messwerte in Gewässern wie dem Murtensee bereits heute etwa 1 Mikrogramm pro Liter wie der Verein ohneGift feststellte ((Deep Link)). Über die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte wird sich die Kontamination von Böden, Gewässern und Trinkwasser erhöhen, denn der Stoff baut sich eben nicht ab, was ihm die Beschreibung «Forever Chemical» beschert. Und über die Risiken für Mensch und Umwelt weiss man in einiger Zeit vielleicht auch mehr. Die 10 Mikrogramm pro Liter werden wohl dann schon Tatsache sein. Was dann? Und was geschieht mit dem TFA, dass die Schweiz mit dem Flusswasser von Rhone, Rhein, Inn und Tessin grosszügig in die Nachbarländer und Weltmeere verteilt? Es macht den Anschein, der Bund kümmere sich nicht um die nächsten Generationen. Vorsorgeprinzip umsetzen geht anders, findet ohneGift.

Alternativen zu TFA

Als chemischer Bauteil von Pestiziden, kann TFA durch andere Stoffe, die in der Wirkung gleichwertig aber viel schneller abbaubar sind, ersetzt werden. Dasselbe trifft für Medikamente zu. So enthält zum Beispiel der häufig verwendete Antidiabetikum-Wirkstoff «Sitagliptin» Trifluorazetat. Es gibt jedoch zahlreiche Alternativprodukte, die ohne auskommen.  Und für Klimaanlagen bei Autos und Lastwagen kann auf Kohlendioxid als Kältemittel umgestellt werden.

[1]            Interpellation Nr. 21.3873 von NR Ursula Schneider Schüttel: Welche in der Schweiz zugelassenen Wirkstoffe und Abbauprodukte als „forever-chemicals“ gelten? Link: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20213873

Untersuchung des Vereins ohneGift vom Mai 2021

Und nur so nebenbei: Es gäbe auch noch die Möglichkeit, die Landwirtschaft auf Bio oder zumindest auf pestizidfrei umzustellen, weniger Auto zu fahren und weniger Produkte zu kaufen, die mit viel Schadstoffausstoss durch die halbe Welt transportiert werden müssen.

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