Dysbalance im Hormonhaushalt wegen Menstruationsartikeln?

Menstruationsartikel - unverzichtbare Produkte, die von rund der Hälfte der Menschen regelmässig verwendet werden. In der Vergangenheit standen gewisse dieser Produkte wegen Vergiftungsfällen in der Kritik. Doch wie sieht es heute mit den gesundheitlichen Risiken aus, insbesondere in der Schweiz?

Eine Binde, zwei Tampons und eine Mensturationstasse liegen auf einer Unterlage
Die am häufigsten verwendeten Menstruationsartikel in der Schweiz – Tampons, Binden und Menstruationstassen. Bild @Rebecca Meier

Das Wichtigste in Kürze:

  • Da die Schleimhäute der Geschlechtsorgane sehr durchlässig sind, können Giftstoffe leicht aufgenommen werden. Giftfreie Produkte sind deshalb zentral für die Gesundheit.
  • Menstruationsprodukte können Giftstoffe wie Dioxine und Phthalate enthalten. Dies hat sich in den letzten 40 Jahren jedoch stark verbessert.
  • Die Studienlage ist insbesondere bei neuen Materialien schwach. Es braucht mehr Forschung, wie sich Menstruationsartikel auf Mensch und Umwelt auswirken.

Der Verein ohneGift fordert:

Es braucht mehr Forschung zu den Auswirkungen von Menstruationsartikel auf Mensch und Umwelt.

Industriell gefertigte Einwegmenstruationsartikel haben im globalen Norden die selbstgemachten Binden aus Tüchern mehrheitlich abgelöst[1]. In der Schweiz werden heute vor allem Tampons, Binden und seit einigen Jahren auch Menstruationstassen verwendet. Neben der finanziellen Belastung der Betroffenen ist durch den vermehrten Gebrauch von Einwegmenstruationsartikeln auch der Müllberg und damit die Belastung für die Umwelt gestiegen[2]. Doch welchen einen Einfluss haben diese Produkte auf die Gesundheit der Menschen?

Menstruationsartikel als Eintrittspforte für Gifte?

Die Schleimhäute der Vagina und Vulva sind sehr durchlässig und absorbieren somit die in Menstruationsartikeln enthaltene Schadstoffe ohne grosse Barriere. Hinzu kommt, dass die Schleimhäute gut durchblutet sind, was die Absorption weiter erleichtert[3]. Die verschiedenen Menstruationsartikel  bestehen aus sehr unterschiedliche Materialien. Folglich variieren auch ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sehr.

Dioxine in Binden und Tampons

Binden sind in der Regel aus 3 Schichten aufgebaut [4], wobei die mittlere Schicht aus einer saugstarken Polymerschicht oder Zelluloseschicht besteht[5]. Tampons beinhalten ebenfalls einem saugfähigen Kern. Dieser wird je nach Produkt aus Baumwolle, Rayon oder einer Mischung der Beiden hergestellt[4].

Bei der Herstellung dieser saugfähigen Materialien wird das Lignin von der Zellulose, der Baumwolle oder dem des Rayons getrennt. Lignin ist ein pflanzliches Polymer, welches für die Stabilität der Zellwände verholzter Pflanzen verantwortlich ist[6]. Da in Hygieneartikeln weiche Materialeigenschaften gefragt sind, ist es dafür ungeeignet.

Dieses Trennungsverfahren erfolgte früher mittels Chlorbleiche, bei welcher Dioxine entstehen. Dies hat in den 80er Jahren für Schlagzeilen gesorgt[4]. Dioxine wirken bereits in kleinsten Mengen toxisch, sind krebserregend und beeinflussen die Fruchtbarkeit negativ[7]. Sie lagern sich durch ihre lipophile Eigenschaft im Fettgewebe ab und sind nur schwer biologisch abbaubar. Die Verfahren, der auch in der Schweiz verwendeten Produkte, wurden seither angepasst, sodass heute nur noch kleine Mengen an Dioxinen entstehen[4].

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat in einer Risikoanalyse aus dem Jahr 2016 chemische Substanzen in Hygieneartikeln in der Schweiz untersucht. Ihre Stichprobe setzte sich aus je 8 Binden und Tampons zusammen, die in der Schweiz erhältlich sind. Welche Produkte / Marken genau untersucht wurden, ist nicht bekannt. Der höchste gemessene Dioxinwert lag bei 0.0771 pg/g in einem Tampon. Bei einer Verwendung von 6 Tampons pro Tag, während 5 Tagen pro Monat kommt das BAG zum Schluss, dass die Exposition durch Hygieneartikel 2600-mal kleiner ist, als durch die Aufnahme über Lebensmittel, welche als gesundheitlich unbedenklich gilt.[8]

Parfüme als Grund für allergische Reaktionen

Parfüme werden in Binden und Tampons häufig verwendet, um den Geruch des oxidierten Blutes zu neutralisieren resp. überdecken. Diese können allerdings allergische Reaktionen hervorrufen[4]. Da sie nicht notwendig für die Funktion der Hygieneartikel sind, können sie problemlos weggelassen werden. Wer darauf verzichten möchte, kann beim Kauf von Hygieneartikeln auf unparfümierte Produkte achten.

Unfruchtbar wegen Menstruationsartikeln?

Verschiedene Studien konnten mehrere Vertreter von endokrinen Disruptoren, darunter VOC und Phthalate, in Einweghygieneartikeln nachweisen[4],[9].

Endokrine Disruptoren

Endokrinen Disruptoren sind chemische Verbindungen, die in das Hormonsystem von Säugetieren (einschliesslich Menschen) eingreifen können. Sie stören die natürlichen hormonellen Signalwege und können damit ganz unterschiedliche Körperfunktionen negativ beeinflussen. Es handelt sich dabei um eine sehr heterogene Substanzgruppe. Zwei bekannte Vertreter sind das mittlerweile in vielen Ländern verbotene Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) und Phthalate.[10] 

Phthalate werden häufig in Menstruationsartikeln als Weichmacher eingesetzt. Phthalate sind krebserregend und beeinflussen das Hormonsystem[4]. Sie können unter anderem das Risiko für Polyzystisches-Ovarien-Syndrom und Endometriose erhöhen. Beide Krankheitsbilder können zu  Unfruchtbarkeit führen[11]. Ausserdem weisen Studien darauf hin, dass Phthalate Diabetes mellitus Typ 2 fördern können[12]. Die Risikoanalyse des BAG lagen die Phthalat-Werte allerdings unter der Bestimmungsgrenze, was bedeutet, dass kein Phthalat nachgewiesen werden konnten[8]. Produkte in der Schweiz scheinen in Bezug auf Phatalate also nicht problematisch.

Schlechte Studienlage zu weiteren chemischen Substanzen

Die Studienlage ist, was weitere chemische Substanzen in Menstruationsartikeln betrifft, sehr schwach. Zum einen gibt es wenig Studien, die sich damit befassen. Zum anderen untersuchen die Studien häufig nur einzelne Produkte in einzelnen Ländern. Dabei fallen zum Teil hohe Werte bei polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Aminomethylphosphonsäure (AMPA), Formaldehyd oder Pflanzenschutzmitteln auf. Diese sind meist Überbleibsel von der Rohrstoffgewinnung (z.B. Pestizideinsatz bei Baumwolle) oder –aufbereitung. Da die Resultate aber oft nicht aussagekräftig oder gar widersprüchlich sind, wird an dieser Stelle nicht weiter darauf eingegangen.[3],[4]

Die Risikoevaluation des BAGs sagt über die von ihnen getesteten Substanzen: «Das Gesundheitsrisiko, das von toxischen Substanzen ausgeht, die in Hygieneartikeln in Spuren vorhanden sind, kann […] als unerheblich betrachtet werden.»[8]

Menstruationstassen – DIE Alternative?

Immer häufiger verwendet werden Menstruationstassen. Sie werden ähnlich wie Tampons in die Vagina eingeführt und sammeln dort die Menstruationsflüssigkeit. Sie sind meistens aus medizinischem Silikon, manchmal auch aus Latex und können nach einer Reinigung wiederverwendet werden.[4]

Latex wird aus dem Milchsaft des Kautschukbaums hergestellt und wird in der Medizin vor allem zur Herstellung von Handschuhen verwendet. Latex ist bekannt dafür, dass es bei vielen Personen nach mehrfacher Anwendung Allergien verursachen kann[13]. Medizinisches Silikon zeichnet sich durch seine hohe Biokompatibilität aus. Das heisst, er verursacht im Gegensatz zu Latex kaum Reaktionen und ist dadurch auch für den Langzeitgebrauch geeignet. Ausserdem ist er sehr hitzebeständig, was wichtig ist für die Reinigung nach dem Gebrauch[14].

Durch den mehrfachen Gebrauch der Menstruationstassen kann die Umweltbelastung durch Verpackungsmüll und Produktion erheblich gesenkt werden[15]. Abgesehen von potenziellen allergischen Reaktionen auf Latex kann aber bislang wenig über die gesundheitlichen Auswirkungen von Menstruationstassen gesagt werden, da die Studienlage sehr schwach ist. Dasselbe gilt für Stoffbinden, Menstruationsunterwäsche und vergleichbare Artikel aus Stoff. Auch hier gibt es keine brauchbaren Studien zum Einfluss auf die Gesundheit.

Menstruationstassen sind eine gute Alternative zu Einwegprodukten. Wer lieber Einwegmenstruationsprodukte verwendet, kann beim Kauf auf Biolabels oder Deklarationen wie «kein Parfüm» oder «keine Weichmacher» achten.

Fazit

Die früheren Bedenken bzgl. Dioxinen, Phthalaten und anderen Umweltgiften in Menstruationsartikeln sind heute weitgehend entkräftet. Materialien und Produktionsverfahren konnten angepasst werden, wodurch die Gefahr dieser Stoffe heute als unbedenklich eingestuft wird. Die Studienlage zu neuen Menstruationsartikel und ihren Auswirkungen auf den Menschen und auf die Umwelt ist allerdings noch sehr schwach und muss dringend verbessert werden.


[1] Aujla et al. (2024): Environmental impact of menstrual hygiene products

[2] ORF (2024): Menstruationsprodukte belasten die Umwelt (aufgerufen am 19.12.2025)

[3] Marroquin et al. (2023): Chemicals in menstrual products: A systematic review

[4] Upson et al. (2022): Menstrual Products as a Source of Environmental Chemical Exposure: A Review from the Epidemiologic Perspective

[5] Woeller (1015): Safety assessment of sanitary pads with a polymeric foam absorbent core

[6] ZHdK (2016): Materialarchiv: Lignin (aufgerufen am 12.12.2025)

[7] Heydemann et al. (2025): DocCheck: Dioxin (aufgerufen am 12.12.2025)

[8] Bundesamt für Gesundheit BAG (2016): Risikoevaluation: Chemische Substanzen in Hygieneartikeln

[9] Marroquin et al. (2023): Chemicals in menstrual products: A systematic review

[10] No et al. (2018): DocCheck: Endokriner Disruptor (aufgerufen am 19.12.2025)

[11] Basso et al. (2022):  Exposure to phthalates and female reproductive health: A literature review

[12] DocCheck News (2021): Phthalate: Weichmacher lösen Diabetes aus (aufgerufen am 11.12.2025)

[13] No (2013): DocCheck: Latex (aufgerufen am 12.12.2025)

[14] Ruiyang Silikon (2025): Was ist medizinisches Silikon? (aufgerufen am 12.12.2025)

[15] De Luna-Cabrera et al. (2022): The Use of Supplies During Menstruation and Its Relation to Environmental Impact, Women’s Health and Economy.

Wir schreiben selbstständig. Der Verein ohneGift verzichtet auf den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) beim Verfassen von Texten.

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