Wer die Umwelt schützt, schützt unsere Gesundheit

Was haben die asiatische Tigermücke, Antibiotikaresistenzen und PFAS gemeinsam? Alle zeigen, dass sich die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt nicht getrennt betrachten lässt. Der Ansatz «One Health» macht diesen Zusammenhang sichtbar. Wir geben eine Übersicht und illustrieren den Ansatz mit Fallbeispielen aus der Forschung.

Die Gesundheit von Tieren, Menschen, Pflanzen und der Umwelt hängen voneinander ab.
Abbildung 1: Konzeptionelles Diagramm zum One-Health-Ansatz. Bild @ages.at

Das Wichtigste in Kürze:

  • «One Health» ist ein Ansatz, die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ganzheitlich zu betrachten. Ohne intakte Ökosysteme können Menschen und Tiere nicht gesund leben.
  • Die Beispiele zu antimikrobiellen Resistenzen und PFAS illustrieren das Zusammenspiel.
  • Der Fokus liegt stark auf der Versorgung des Menschen mit tierischen Lebensmitteln – ein Widerspruch zum Klimaschutz. Eine stärkere Ausrichtung auf pflanzliche Lebensmittel wäre daher sinnvoll.

Was ist «One Health»?

Ohne Gift hat an einer «One Health»-Tagung teilgenommen, organisiert vom Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie (SCAHT) und dem Ökotoxzentrum. «One Health» betrachtet die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt als zusammenhängendes Netzwerk (siehe Box). Die Umsetzung erfordert Interdisziplinarität auf nationaler und internationaler Ebene. 2023 haben sich die vier Organisationen Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), Weltgesundheitsorganisation (WHO), Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) zusammengeschlossen, um diesen ganzheitlichen Ansatz voranzutreiben.[1]

Definition gemäss One Health High Level Expert Panel (OHHLEP), 2021:

«One Health ist ein integrierter, vereinender Ansatz, der darauf abzielt, die optimale und nachhaltige Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen zu erreichen. Er erkennt an, dass die Gesundheit von Menschen, Haus- und Wildtieren, Pflanzen und der weiteren Umwelt (unseren Ökosystemen) eng miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Der Ansatz mobilisiert mehrere Sektoren, Disziplinen und die Bevölkerung auf allen Ebenen der Gesellschaft, um gemeinsam gegen Bedrohungen der Gesundheit und der Ökosysteme vorzugehen und gleichzeitig unseren kollektiven Bedarf an gesunden Lebensmitteln, reinem Wasser, nachhaltig erzeugter Energie und sauberer Luft zu decken, Massnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.»[2]

Fallbeispiel 1: Antimikrobielle Resistenzen

Antimikrobielle Resistenzen (AMR) sind Teil der Evolution und können auf verschiedene Weisen entstehen. Zum einen verändert sich das Erbgut von Mikroorganismen, beispielsweise von Bakterien, spontan durch Mutation. Zum anderen können sie Resistenzgene anderer Bakterien aufnehmen, etwa nach deren Tod (horizontaler Gentransfer). Beide Mechanismen können zur Resistenzbildung führen. Bei der Zellteilung gibt ein Bakterium diese Eigenschaft an seine Nachkommen weiter, wodurch resistente Bakterienstämme entstehen.[3],[4]

Sind antimikrobielle Resistenzen dasselbe wie Antibiotikaresistenzen?

Die Begriffe sind nahe verwandt, aber keine Synonyme. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, weshalb Antibiotikaresistenzen eine Unterkategorie der AMR bilden. Weitere Unterkategorien von AMR sind Resistenzen gegen Antimykotika (gegen Pilze), Antiparasitika (gegen Parasiten) und gegen antivirale Medikamente (gegen Viren).[5]

Grundsätzlich erhöht jeder Einsatz von Antibiotika die Wahrscheinlichkeit, dass Resistenzen entstehen – auch medizinisch korrekte und notwendige Anwendungen. Menschliches Fehlverhalten beschleunigt die Resistenzbildung aber unnötigerweise zusätzlich, etwa durch den unsachgemässen Einsatz von Antibiotika gegen Erkältungen (die hauptsächlich durch Viren verursacht werden) oder durch die Verabreichung eines Breitband-Antibiotikum, obwohl ein Schmalspektrum-Antibiotikum ausreichen würde. Beides fördert resistente Bakterien, indem Empfindliche abgetötet werden (Selektion), obwohl keine Dringlichkeit bestand.[4] Bereits heute sterben jährlich 700’000 Menschen wegen AMR.[3] Aber weshalb ist das ein «One Health»-Problem?

AMR gelangen über Ausscheidungen von Menschen und Tieren direkt oder indirekt über das Abwasser in die Umwelt. Selbst nach der Kläranlange bleibt Abwasser eine Quelle für AMR für Oberflächengewässer, da nicht alle Keime entfernt werden können.[3],[6] Aufgrund des horizontalen Gentransfers wird die Umwelt dadurch zu einem Resistenzen-Reservoir. Intakte Ökosysteme wie ein biodiverser Biofilm im Fliessgewässer sind dabei weniger anfällig für AMR, während stark mit Schadstoffen belastete Ökosysteme meist auch mehr Resistenzen aufweisen.[3] Dies veranschaulicht den engen Zusammenhang zwischen intakten Ökosystemen und der Gesundheit von Mensch und Tier.

Fallbeispiel 2: PFAS

PFAS zeichnen sich durch die stärkste Bindung der Chemie aus, nämlich jene zwischen einem Kohlenstoff- und einem Fluoratom (C-F) (siehe Abbildung 2). PFAS sind deshalb chemisch und thermisch äusserst stabil und zudem sowohl wasser- als auch fettabweisend. Wegen dieser Eigenschaften werden PFAS dort eingesetzt, wo extreme Bedingungen ausgehalten werden müssen, z.B. zur Beschichtung von Bratpfannen. Auch in Feuerlöschschaum wurden sie häufig verwendet. Diese technisch hoch interessanten Eigenschaften führten zu einer breiten Verwendung von Fluorkohlenwasserstoffen, was sich nun in hohen lokalen Umweltkonzentrationen widerspiegelt. Die Problematik: Einige PFAS binden stark an organische Substanz und verunreinigen so Böden, andere sind jedoch mobil und gelangen in Gewässer.[7]

Abbildung 2: Strukturformel von Polymeren wie Polytetrafluorethylen (PFTE, Teflon®). Bild@ Roland.chem via Wikipedia

Einst im Wasser angelangt, reichern sie sich in Gewässerorganismen an und werden von Pflanzen aufgenommen. Übers Trinkwasser und Futter sind insbesondere Nutztiere hohen Mengen ausgesetzt. Der Mensch wiederum nimmt sie vor allem über den Fisch- und Fleischkonsum auf, aber auch übers Trinkwasser, die Luft und die Haut (z.B. Hautcremes). Sie gelangen ins Blut und werden so im Körper verteilt (siehe Box). Ausgeschieden werden sie hauptsächlich über den Urin, aber auch über Fäkalien oder die Muttermilch, und gelangen so ins Abwasser, respektive den Säugling.[7],[8],[9]

PFAS im Körper – lieber nicht

Das toxikologische Profil von PFAS ist fast so vielseitig wie die Stoffgruppe selbst. Kurzkettige Vertreter wie PFBA oder PFBS werden schneller abgebaut und ausgeschieden, während langkettige Vertreter wie PFHxS, PFOS und PFOA schwer abbaubar sind und länger im Körper verbleiben.[9]

Im Körper binden PFAS an Serum- und Fettsäure-bindende Proteine, wodurch sie zu den Organen transportiert werden. Sie reichern sich insbesondere in Leber und Nieren an – unseren Entgiftungs- und Filterorganen – was Erkrankungen oder Dysfunktionen begünstigt.[9]

PFOA und PFOS bergen dabei besondere Risiken: Durch ihre strukturelle Ähnlichkeit zu den Schilddrüsenhormonen T3 und T4 können sie anstelle von T4 an das Transportprotein Transthyretin binden und so langfristig eine Schilddrüsenunterfunktion begünstigen. Zudem hemmen sie – ebenso wie PFNA und PFHxS – die Antikörperproduktion und die Immunreaktion. PFOA gilt zudem als «krebserregend beim Menschen», PFOS als «möglicherweise krebserregend».[9]

Mehr zu PFAS können Sie ausserdem in den Artikeln «PFAS sind das «neue PCB»!», «TFA in Pestiziden» und «Chemikalien in der Küche (Teil 1)» lesen.

Umsetzung – was macht die Schweiz?

Seit 2016 ist «One Health» als Unterorgan in der Epidemienverordnung (EpV) verankert. Es besteht aus Vertreter:innen verschiedener Fachrichtungen (BLV, BAG, BAFU, BLW, Veterinärdienst Armee und weitere Institutionen) und unterstützt Bundesämter «bei der Erkennung, Überwachung, Verhütung und Bekämpfung von Zoonosen und Vektoren sowie bei der Bearbeitung und Koordination von weiteren bereichsübergreifenden Themen in diversen Arbeitsgruppen».[10] Schauen wir uns das anhand der Fallbeispiele genauer an.

AMR: Bei AMR setzt die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) auf den One-Health-Ansatz, um Resistenzbildung zu verlangsamen, Resistenzen frühzeitig zu erkennen und Übertragungsketten zu durchbrechen. 2024 wurde dazu der One-Health-Aktionsplan StAR[11] verabschiedet.

PFAS: Der Bundesrat hat sich zwar im September 2025 gegen eine Studie zur PFAS-Belastung der Schweizer Bevölkerung entschlossen.[12] Dennoch hat er die Forderung des Postulats Moser (22.4585), einen Aktionsplan «zur Reduktion der Belastung von Mensch und Umwelt durch langlebige Chemikalien» zu erstellen, im Dezember 2025 gutgeheissen.[13] Das Unterorgan «One Health» hat dabei eine koordinierende und unterstützende Funktion.

Welche Bedeutung hat «One Health» global?

Der Ansatz ist auf allen Kontinenten in Form von Strategien, Richtlinien oder Aktionsplänen verankert[14],[15],[16], wobei Südostasien eine zentrale Rolle für die internationale Anerkennung des Ansatzes spielte.[17] In Europa machen sich seit 2024 die fünf Agenturen ECHA, EMA, ECDC, EEA, EFSA für die Umsetzung der One-Health-Agenda stark.[18]

Ist «One Health» machbar?

Die grösste Herausforderung bezüglich Umsetzung ist wohl das hohe Mass an Komplexität dieses ganzheitlichen Ansatzes. Ökosysteme sind äusserst komplex und deren Veränderungen mit dem Klimawandel schwierig vorherzusagen.[19] Durch die Globalisierung können Krankheitserreger oder invasive Arten über weite Strecken verschleppt werden.[20] Letztere profitieren oft vom Klimawandel und können sich zunehmend auch in nördlichen Gebieten etablieren.[21] Zudem erfordert die Umsetzung eine enge globale Zusammenarbeit verschiedener Sektoren und Nationen sowie ausreichende Ressourcen.

Gemäss WHO[22] braucht es ausserdem ein besseres Verständnis davon, was die Übertragung von Krankheitserregern von Tieren auf Menschen begünstigt und wie sich dieses Risiko minimieren lässt. Dabei zeigt sich, dass der Ansatz stark auf die Versorgung mit tierischen Lebensmitteln fokussiert ist, obwohl Fleisch- und Milchkonsum – abgesehen vom Tierleid – weder ökologisch noch klimapolitisch nachhaltig sind. Um diesem Widerspruch entgegenzuwirken, wäre es sinnvoll, einen Wandel im Konsumverhalten hin zu mehr pflanzlichen Lebensmitteln sowie entsprechende Bildungsarbeit zu nachhaltiger Ernährung in die Ziele zu integrieren.

Kein Gesundheitsschutz ohne Umweltschutz

Die oben genannten Beispiele veranschaulichen den engen Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie intakten Ökosystemen. Investitionen in den Umweltschutz sind somit auch Investitionen in die Lebensmittelsicherheit und die langfristige Gesundheit allen Lebens.


[1] Vortrag von Prof Dr. med. vet. Salome Dürr (23.06.2026): One health: a brief introduction into a complex topic

[2] BLV: One Health (abgerufen am 13.07.2026)

[3] Vortrag von Dr. Helmut Bürgmann (23.06.2026): The fate of AMR in aquatic environments

[4] Bundesrat (2015): Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz

[5] Rat der Europäischen Union (2023): Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen (abgerufen am 17.07.2026)

[6] Bryner (2012): Genfersee: Antibiotikaresistenzen auf dem Vormarsch (abgerufen am 17.07.2026)

[7] Vortrag von Dr. Alexandra Kroll und Dr. Lothar Aicher (23.06.2026): Case Study PFAS

[8] Scheringer (2018): Toxisch, extrem persistent und häufig verwendet (abgerufen am 01.08.2026)

[9] Mikkonen et al. (2023): Spatio-temporal trends in livestock exposure to PFAS inform risk assessment and management measures

[10] BLV: Organisation von One Health in der Schweiz

[11] BAG (2024): One Health Aktionsplan StAR 2024-2027

[12] Meier (2025): Bund spart Studie zu Belastung durch PFAS und Pestizide weg (abgerufen am 17.07.2026)

[13] Bundesrat (2025): Bundesrat beschliesst Aktionsplan zum Umgang mit langlebigen Chemikalien wie PFAS

[14] Molina-Flores et al. (2025): Assessment of One Health Initiatives from a Veterinary Public Health Approach in Latin America and the Caribbean

[15] One Health Initiative (2025): U.S. Government Releases First National One Health Plan to Protect People, Animals, and Our Environment from Shared Health Threats (abgerufen am 17.07.2026)

[16] AfricaCDC (2025): Zoonotic Disease

[17] Lajaunie et al. (2025): Southeast Asia at the heart of the implementation of the One Health Approach

[18] ECHA (2024): One Health (abgerufen am 17.07.2026)

[19] Finch et al. (2021): Effects of Climate Change on Invasive Species

[20] Drexler (2010): What You Need to Know About Infectious Disease – 3. Global Challenges

[21] Carbone et al. (2025): Vectors on the Move

[22] WHO (2026): One Health (abgerufen am 17.07.2026)

Wir schreiben selbstständig. Der Verein ohneGift verzichtet auf den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) beim Verfassen von Texten.

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